Wo heute Gerste wächst, tobte einst der Krieg

17. Juni 2026

Wevelinghoven. Kanonendonner. Hufschläge schwerer Pferde. Das Scheppern von Rüstungen und aufeinandertreffenden Blankwaffen. Die Rufe von Offizieren, das Geschrei verwundeter Soldaten und das Getümmel einer Schlacht.

Wo sich heute rund um Wevelinghoven Kartoffeläcker und Getreidefelder erstrecken, fand auf den Tag genau vor 378 Jahren, am 14. Juni 1648, eine der letzten großen Feldschlachten des Dreißigjährigen Krieges statt. Die Schlacht bei Wevelinghoven markierte das Ende jahrzehntelanger Verwüstungen im Rheinland und zählt zu den bedeutendsten militärischen Ereignissen der regionalen Geschichte.

Ihre Spuren sind bis heute im Boden verborgen. Historische Quellen, archäologische Funde und wissenschaftliche Untersuchungen haben in den vergangenen vier Jahren dazu beigetragen, die Ereignisse rund um die Schlacht Stück für Stück zu rekonstruieren. Gemeinsam mit Fachleuten der Denkmalbehörden und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern hat der Verein Historisches Wevelinghoven diese Erkenntnisse aufgearbeitet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ein weiteres sichtbares Zeichen dieser Arbeit wurde am Sonntag mit der Enthüllung der dritten historischen Markierung am Haus Busch gesetzt.

Dritte Markierung erinnert an die Ereignisse von 1648

Zahlreiche Gäste aus den Vereinen der Gartenstadt sowie Mitglieder und Freunde des Vereins Historisches Wevelinghoven waren der Einladung gefolgt. Gemeinsam mit der Eigentümerfamilie von Nesselrode wurde die neue Informationstafel am historischen Haus Busch der Öffentlichkeit übergeben.

In seiner emotionalen Ansprache erinnerte der Erste Vorsitzende Ralf Rosenberger daran, dass Geschichte nicht allein in Archiven stattfinde, sondern an den Orten, an denen sie entstanden sei.

„Wer die Geschichte seiner Heimat verstehen will, muss wissen, wo sie stattgefunden hat. Mit jeder Markierung machen wir ein Stück Wevelinghovener Geschichte wieder sichtbar.“

Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen enthüllte er die Tafel. Dem Vorstand des Vereins Historisches Wevelinghoven gehören neben dem Ersten Vorsitzenden Ralf Rosenberger auch der Zweite Vorsitzende Peter Schäfer und Kassiererin Magda Hoer.

Besonders erfreut zeigten sich die Vereinsmitglieder über die Unterstützung der Familie von Nesselrode, auf deren Grund die Markierung dauerhaft errichtet werden konnte. Die Familie nahm an der Enthüllung teil und stand anschließend für Gespräche mit den Besuchern zur Verfügung.

Ein besonderer Dank galt dem Wevelinghovener Unternehmer Theo Schenke. Er fertigt die Gestelle für die historischen Markierungen an und hatte die Konstruktion am Haus Busch erst wenige Tage zuvor fachgerecht montiert.

Unter den Gästen befanden sich außerdem Vereinsmitglied Jürgen Larisch und sein Freund Stefan Faßbender. Beide werden am 12. Oktober im Martinusforum den Bildervortrag „Wevelinghoven im Wandel der Zeit“ präsentieren.

Auch die Grevenbroicher Ratsfrau Renate Steiner nahm an der Veranstaltung teil. Sie hob die gute Zusammenarbeit mit dem Verein Historisches Wevelinghoven bei der Benennung neuer Straßen im Baugebiet „An Mevissen“ hervor und zeigte sich erfreut über die Planungen für ein künftiges Mahnmal, das an die Ereignisse des Jahres 1648 erinnern soll.

„Die Zusammenarbeit zwischen Verein, Politik und Bürgerschaft zeigt, wie lebendig Heimatgeschichte sein kann.“

Jetzt wird Geschichte lebendig

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt den Vereinsmitgliedern allerdings nicht. Bereits am kommenden Wochenende, dem 20. und 21. Juni, folgt mit „Living History 1648 – Wevelinghoven“ das bislang größte Projekt des Vereins.

Auf dem ehemaligen Sportplatz gegenüber dem Kloster Langwaden entsteht ein historisches Feldlager, das Besucher unmittelbar in die Zeit des Jahres 1648 versetzen soll. Anders als bei einem Mittelaltermarkt steht dabei nicht Unterhaltung im Vordergrund, sondern die möglichst authentische Vermittlung von Geschichte.

Internationale Darstellergruppen aus Deutschland und den Niederlanden zeigen das Leben von Soldaten, Handwerkern, Marketenderinnen und Zivilisten während des Dreißigjährigen Krieges. Besucher können historische Ausrüstung, Lagerleben, Handwerk, Musikinstrumente, Kochtechniken und militärische Ausrüstung aus nächster Nähe erleben.

Vertreter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland werden ebenso vor Ort sein wie Wissenschaftler, die sich seit Jahren mit der Schlacht und ihren Hinterlassenschaften beschäftigen. Das Programm richtet sich ausdrücklich an Schulen, Vereine, Familien und alle geschichtlich Interessierten.

„Wir möchten Geschichte nicht nur erzählen, sondern erlebbar machen. Wer das Lager besucht, soll nachvollziehen können, wie Menschen vor fast 380 Jahren gelebt, gearbeitet und gelitten haben“, erklärt Peter Schäfer vom Verein Historisches Wevelinghoven.

Vorträge mit renommierten Fachleuten

Den Abschluss des Wochenendes bildet am Sonntag, 21. Juni, ab 17.30 Uhr ein Vortragsabend im St.-Benedikt-Saal des Klosters Langwaden.

Mit Dr. Michael Kaiser von der Universität Bonn, Michael Schneider vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland sowie Morten Bassier von der Ruhr-Universität Bochum konnten drei ausgewiesene Fachleute gewonnen werden. Sie beleuchten die Schlacht bei Wevelinghoven aus historischer, archäologischer und wissenschaftlicher Perspektive und stellen aktuelle Forschungsergebnisse vor.

Der Eintritt zu sämtlichen Programmpunkten ist frei.

Mit der neuen Markierung am Haus Busch und der bevorstehenden Living-History-Veranstaltung zeigt sich einmal mehr, wie eng historische Forschung, Erinnerungskultur und bürgerschaftliches Engagement in Wevelinghoven miteinander verbunden sind.

Bild von rechts nach links

Magda Hoer, Peter T. Schaefer, Ralf Rosenberger, Felix von Nesselrode, Betram Graf von Nesselrode

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Living History 1648 - Wevelinghoven

20. & 21.06.2026

Ehemaliger Sportplatz gegenüber dem Kloster Langwaden

Eintritt frei

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Vortragsabend

21.06.2026 um 17:30 Uhr

St.-Benedikt-Saal, Kloster Langwaden

Eintritt frei